„Schwester Robbi, können Sie mir helfen?“

Digitalisierung in Pflege

Digitalisierung hat praktisch in allen Lebensbereichen Einzug gehalten und gestaltet mehr und mehr unser Leben mit. Vieles ist dadurch einfacher geworden, schneller und aktueller. Allerdings bleibt dabei auch einiges auf der Strecke. Schon heute kann man den Eindruck gewinnen, dass Menschen verlernt haben miteinander zu sprechen, sich in die Augen zu sehen, aufeinander achtzugeben.

Bei allen Vorteilen entfallen viele physische und haptische Erfahrungen durch die Digitalisierung: Brief und Postkarte werden durch SMS und Mails inzwischen fast völlig ersetzt, berufliche Kontakte über das Online-Netzwerk gepflegt, Einkäufe häufig im Netz getätigt. All das ist möglich, ohne mit anderen zu sprechen oder seine gewohnte Umgebung zu verlassen. Damit reduzieren sich aber auch menschliche Begegnungen.

Solange man gesund und fit ist, kann jeder selbst entscheiden, wie er agieren will. Wenn man allerdings gesundheitlich oder psychisch eingeschränkt oder alt und gebrechlich ist und diese Entscheidungen nicht mehr eigenständig treffen kann, sieht es anders aus. Hilflosigkeit macht einsam – eine menschliche Empfindung, die nicht mal ansatzweise in der Technik, in Maschinen und der Digitalisierung unserer Welt Entsprechung finden kann.

Ich kann mir gut vorstellen, das mich digitale Home Care-Systeme unterstützen können, mir Sicherheit geben, damit ich länger selbstbestimmt leben kann. Hol- und Bringdienste, Ver- und Entsorgungsarbeiten oder automatisierte Hilfsmittel können sowohl im häuslichem Umfeld als auch im teilstationären und stationären Pflegebereich sinnvoll sein.

Eine Vorstellung, die mir allerdings eher Unbehagen bereitet, als mich zuversichtlich zu stimmen: eine Maschine, die mich wäscht, eincremt, mir Essen anreicht und mit mir meine Freizeit gestaltet. Die Versorgung und Pflege von kranken und alten Menschen ist für mich immer noch mit Zuwendung, Empathie und Respekt gegenüber der Menschenwürde verbunden – das können Maschinen nicht leisten.

Wo liegt also der Königsweg bei der Digitalisierung in der Pflege? Ein Schwarzweißdenken hilft wie so oft nicht weiter. Auch ein entweder – oder erscheint wenig sinnvoll, zumal in der Versorgung und Pflege Individualität das Schlüsselwort ist. Die Aufgabe der Verantwortlichen in Gesundheitswesen und Politik muss es also sein, die Grenzen zwischen den Möglichkeiten der Digitalisierung und Techniknutzung und den uns wichtigen, menschlichen Wertvorstellungen zu definieren.

Hier hilft eine Fähigkeit weiter, die kein Roboter dieser Welt beherrscht: Einfühlungsvermögen. Wer die Situation für sich oder enge Angehörige durchspielt, erhält eine klare Orientierungshilfe zwischen Machbarkeit und Wünschbarkeit. – JS