Personalmangel, Mitarbeitergesundheit und Corona

Personalmagel, Mitarbeitergesundheit und Corona

Der Mangel an Fachkräften scheint für unsere Gesellschaft teilweise bereits zum verwalteten Übel geworden zu sein. Die meisten von uns nehmen ihn erst dann zur Kenntnis, wenn sie selbst betroffen sind. Die anderen hoffen im Stillen, dass die Politik für die schwindende Zahl der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen noch irgendwie eine Lösung finden wird.

Das Auftreten des Coronavirus und die entsprechende Berichterstattung in den Medien zeigt uns nun auf eine sehr deutliche, andere Weise, wie abhängig unser Leben von einer solidarischen Gesellschaft ist. Jeder kann betroffen sein. Eine Viruserkrankung, die vor Grenzen keinen Halt macht, für die wir keine Medikation oder Impfstoffe aus dem Hut zaubern können, erleben wir zum einen als Bedrohung unserer Gesundheit. Zum anderen machen wir uns Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen – Lohnausfall, Betriebsschließungen, Versorgungsengpässe.

Ich würde mir wünschen, dass die derzeitige Situation Politiker und Gesellschaft zu einer neuen Wertediskussion anregt – gerade vor dem Hintergrund, dass uns in fast allen Branchen Arbeitskräfte fehlen. Gerade in den Gesundheitsdiensten potenzieren sich die Probleme durch das Zusammentreffen von Personalmangel und derartigen Erkrankungswellen. Dies führt unter anderem dazu, dass eben auch in Krankenhäusern, stationären und teilstätionären Einrichtungen und Ambulanten Diensten Mitarbeitende erkranken und, da ohnehin zu wenig Personal vorhanden ist, die Versorgung nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.

Die gegenwärtige Situation macht noch einmal deutlich, wie wichtig die Menschen in unserem Gesundheitssystem sind. Nicht nur die gesellschaftliche Anerkennung diesen Akteuren und ihren Aufgaben gegenüber muss. Auch die Unternehmensführung hat eine Verantwortung für die Gesunderhaltung Ihrer Mitarbeitenden – nicht nur bei Epidemien. Schon aus schlicht wirtschaftlichen Gründen.

In vielen großen Wirtschaftsunternehmen bereits alltägliche Angebote werden im Gesundheitsbereich bislang eher stiefmütterlich behandelt und als zusätzlicher Kostenfaktor abgetan. Gerade die Verantwortlichen der „Gesundheitsunternehmen“ sollten aber spätestens jetzt die Zeichen der Zeit erkennen. Dazu gehören mitarbeiterorientierte Arbeitszeiten, einladende Erholungs- und Pausenbereiche, kostenlose Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen, Sport- und Freizeitangebote, psychologische und soziale Hilfen, Angebote zur gesunden Ernährung, Arbeitshilfen und Anleitungen für den Arbeitsalltag.

Ich bin der festen Überzeugung, dass dies ein wichtiger Baustein ist, unser Gesundheitssystem zu erhalten und zu verbessern. So können wir auch die Attraktivität der Berufsbilder steigern und mehr Menschen dafür gewinnen, was für die nachhaltige Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsunternehmen und für unsere Gesellschaft wesentlich ist. – JS